Die Freude der Liebe: Freuden, Betrübnisse und Hoffnungen

Josef Seifert

Abstract


Der Aufsatz beginnt im ersten Abschnitt mit einer Erwähnung des Reichtums schöner Gedanken, die Amoris Laetitia (AL) enthält, und des wunderbaren Kerns der Botschaft von AL, der barmherzigen Liebe Gottes zu jedem Menschen, sowie mit einem kleinen Teil seiner Aussagen, die aber wohl die stärkste Wirkung haben dürften und die Grund zur Sorge und Traurigkeit geben.

Im zweiten Teil geht es um die Frage, welches die Paare in „irregulären Situationen“ sind, welchen AL Zugang zu den Sakramenten gewähren will. Vier grundverschiedene Antworten, die die gegenwärtige Diskussion um AL beherrschen, werden kritisch erörtert, um zu zeigen, daß eine klare Aussage darüber, welche die wahre ist und eine Abweisung kraß falscher, dringend vonnöten sind:

  1. Keine „irregulären Paare“?
  2. Alle „irregulären Paare“?
  3. Manche, sorgfältig zu prüfende Paare in irregulären Situationen?
  4. „Irreguläre Paare“, die gültig scheinende Gewissensehen geschlossen haben und denen AL erstmalig Anerkennung und Berechtigung zuerkennt?

Da die zweite Antwort den hl. Tempel Gottes in einen Satanstempel verwandeln würde, kann sie unmöglich die Antwort des Papstes sein. Da sie dennoch von hohen kirchlichen Würdenträgern vorgeschlagen wird, darf man nicht durch Schweigen auf sie reagieren; sie verdient dringend schärfste Zurückweisung.

Die dritte Antwort zeigt sich als die von Papst Franziskus gemeinte. Sie wird einer eingehenden Untersuchung unterzogen und es werden eine Reihe von Fragen über sie gestellt, die zeigen, daß jede Aussortierung von „guten Menschen in irregulären Situationen“ des Ehebruchs, homosexueller Akte, die trotz ihres Lebens in objektiv schwerer Sünde subjektiv im Gnadenstand sind und vor dem Sakramentsempfang keiner Reue und Umkehr bedürften, und „bösen Ehebrechern“ und Homosexuellen, die zu den Sakramenten nur nach einer Reue und Umkehr zugelassen werden können, die Kapazitäten des einzelnen Priesters und der betroffenen Paare übersteigt.

Während die vierte Antwort und der Vorschlag von Gewissensehen, die die Kirchentribunale in bestimmten Situationen ersetzen könnten, mit großer Sympathie dargestellt wird als potentiell barmherzige Neuerung und Einsetzung des Subjekts und Gewissens in seine legitimen Rechte durch Papst Franziskus, wird gezeigt, daß auch sie gegen die Lehre und Tradition der Kirche, sowie gegen vernünftige Prinzipien der Gerechtigkeit verstößt, sodass letztlich nur die erste Antwort übrigbleibt, welche meint, Papst Franziskus habe mit AL nichts an der Sakramentendisziplin verändert und könne aus verschiedenen Gründen nichts an ihr wirksam ändern.

Der dritte Teil erörtert eine Reihe von Aussagen, die wenigstens aufs erste Lesen hin falsch, ja häretisch erscheinen und den von Spaemann behaupteten radikalen Bruch von AL mit Lehre und Tradition dokumentieren würden: einen Bruch mit Lehren des Evangeliums und der Kirche über die moralische Ordnung, über in sich schlechte und ungeordnete Handlungen, über die Gebote Gottes und unsere Fähigkeit, sie mit Hilfe der Gnade zu erfüllen, über die Unauflöslichkeit der Ehe und die Heiligkeit der Sakramente der Eucharistie und Ehe, über die sakramentale Disziplin und Pastoral der Kirche, die sich aus dem Wort Gottes und der 2000jährigen Tradition der Kirche ergibt, über die Notwendigkeit des Glaubens an Christus für das ewige Heil und die Gefahr der ewigen Verdammnis (Hölle).

Da die betreffenden Aussagen Grundelemente der kirchlichen Lehre betreffen, wird vom Papst eine Klärung und Zurücknahme ihres unmittelbar von den meisten verstandenen falschen Sinnes erbeten.

Der vierte Teil erweist anhand vieler Beispiele aus der Kirchengeschichte die volle Kompatibilität der Kritik, auch seitens von Laien, an nicht unfehlbaren Aussagen des Papstes mit der katholischen Tradition und Lehre: vom hl. Paulus, Kaiser Konstantin, Athanasius an über die hl. Katharina bis zur Gegenwart zeigt sich die Berechtigung und Notwendigkeit einer solchen kritischen Prüfung von allem, inklusive von nicht-unfehlbaren Aussagen eines Papstes. Es geht also um die dramatische Frage einer Klärung und Korrektur von AL in Lehre und Praxis.

Die Quintessenz meines Artikels lautet: Wenn es nicht möglich ist, wie es nicht möglich scheint, die im Artikel genannten und andere Erklärungen in AL in Kontinuität mit dem beständigen Lehramt der Kirche zu interpretieren, bitten wir demütig, aber stark und entschieden den Papst Franziskus, den Stellvertreter Jesu Christi auf Erden, Sätze, die fast jeder Leser von AL in irrigem Sinn, der der Heiligen Schrift und der Lehre der Kirche widerspricht, verstehen muß, richtigzustellen und verheerende Interpretationen der Aussagen von AL entschieden zurückzuweisen. Geschieht dies nicht, werden immer mehr Bischofskonferenzen (wie die philippinische) zwangsläufig recht bald AL schlecht oder falsch interpretieren oder irrige Sätze ihrer Pastoral und ihrem Lehramt zugrundelegen. Da der Papst selbst, und nicht bösartige Journalisten oder Interpreten diese und andere Dinge gesagt oder geschrieben haben, halte ich es für die Pflicht aller Katholiken, den Papst demütig, aber mit aller Entschiedenheit zu bitten, Irrtümer durch die Wahrheit, falsche Interpretationen durch richtige, verworrene durch klare Aussagen zu ersetzen. So daß das Wort der Heiligen Schrift und der Dogmatischen Konstitution Lumen Gentium, daß die Kirche die ‘feste Säule der Wahrheit’ ist und der Papst, wenn er in Einklang mit dem Evangelium und der Kirche lehrt, unser höchster Lehrer der Wahrheit ist, in ihrem Glanz neu aufleuchten.


Schlagworte


Amoris Laetitia; Papst Franziskus; Zugang zu den Sakramenten;

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ISSN: 2195-173X